Die Signaturenlehre ist eine naturphilosophische Betrachtungsweise, nach der äußere Merkmale von Pflanzen Hinweise auf ihr Wesen und auf ihre Heilwirkung geben. Sie wurde mit durch den Arzt und Naturphilosophen Paracelsus (1493–1541) in der frühen Neuzeit geprägt und spielte eine besondere Rolle in der Heilkunde.
Die Vorgehensweise, aus sichtbaren Formen auf verborgene Zusammenhänge zu schließen, begegnet uns auch im Tarot in Form einer symbolisch aufgeladenen Bildsprache. Karten sind weit mehr als festgelegte Bedeutungen. Sie sprechen durch Bilder, Symbole, Erfahrungen und das persönliche Empfinden derjenigen, die mit ihnen arbeiten.
Je länger ich mich mit Pflanzenkunde und Tarot beschäftige, desto deutlicher erkenne ich die Verbindung zwischen beiden Welten. Lange habe ich mich gefragt, was meine Tätigkeit als Tarotberaterin mit meinem Interesse an Pflanzen und Heilkunde verbindet. Heute glaube ich: Es ist dieselbe Art des Wahrnehmens.
Sowohl die Signaturenlehre als auch das Tarot verlangen Beobachtung. Nicht nur das oberflächliche Betrachten, sondern ein wirkliches Wahrnehmen. Sie fordern Erfahrung, weil sich Bedeutung oft erst mit der Zeit entfaltet. Sie brauchen Wissen, weil Symbole, Pflanzen und ihre Eigenschaften verstanden werden wollen. Aber sie verlangen ebenso Intuition. Jenes feine Gespür für Zwischentöne, Energien und unausgesprochene Botschaften.
Eine Pflanze ist niemals nur ihre botanische Beschreibung. Und eine Tarotkarte niemals nur ein festgelegter Satz in einem Handbuch. Wer ausschließlich Bedeutungen auswendig lernt, verschließt sich oft der tieferen Ebene. Denn beides funktioniert nicht eindimensional, sondern vielschichtig. Mehrdeutig. Lebendig.
In beiden Welten geht es darum, Beziehungen herzustellen: zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen Körper und Seele, zwischen Natur und innerer Landschaft. Man lernt, Zeichen zu lesen, Muster zu erkennen und gleichzeitig offen zu bleiben für das, was sich nicht vollständig erklären lässt.
Und vielleicht werde ich genau deshalb niemals aufhören, dazuzulernen, weil sowohl die Pflanzen als auch die Karten mit jedem neuen Blick eine weitere Ebene offenbaren. Und damit verstehe ich auch den Satz, den ich schon oft von Tarotsophen gehört habe: “Mit Tarot kannst du dich bis an dein Lebensende beschäftigen und es wird nie langweilig.”
Und nun möchte ich dich einladen. Wähle doch heute bewusst eine Tarotkarte aus und betrachte sie für einen Moment mit neugierigen Augen. Versuche dabei, nicht auf elernte Deutungen zurück zu greifen. Welche Geschichten, Assoziationen oder Erkenntnisse entdeckst du darin?
Deine Susan von @sjelbelle