Tarot erlebt in Deutschland seit einigen Jahren eine spürbare Renaissance. Bücher, Ausbildungen, Seminare und eine wachsende Online-Community zeigen: Tarot ist in Deutschland längst mehr als ein Nischenthema für Eingeweihte.
Wer sich fragt, wo diese Entwicklung ihren Ursprung hat und wer sie geprägt hat, kommt an einem Namen nicht vorbei: Hajo Banzhaf. Und an der Institution, die er mitbegründet hat: den Tarot e.V.

„Bedeutung heißt für mich: Die Karten sagen nichts voraus. Sie legen offen, was der oder die Ratsuchende oft schon weiß, aber noch nicht ausgesprochen hat. Genau deshalb hat Tarot heute einen festen Platz neben Coaching und Beratung“, sagt S. ROE Buchholzer, seit 2024 Vorsitzender des Tarot e.V. und selbst seit 2008 als Tarot-Berater selbständig tätig.
Die Geschichte des Tarot in Deutschland
Tarot entstand im 15. Jahrhundert in Norditalien als Kartenspiel. Von dort gelangte es über Frankreich und die Schweiz nach Mitteleuropa und fand im deutschsprachigen Raum lange vor allem als Kartenspiel Verbreitung, bevor sich ab dem 20. Jahrhundert die esoterische und psychologische Deutung als eigenständige Praxis etablierte. Erst in den 1980er- und 1990er-Jahren begann sich in Deutschland eine breitere Tarot-Kultur zu formieren – getragen von einer wachsenden Zahl an Fachbüchern, ersten Ausbildungsangeboten und einer aufkeimenden Szene aus Berater:innen und Enthusiast:innen.
In dieser Phase entstand auch der Bedarf nach einer Struktur, die Qualität, Austausch und Weiterbildung im Tarot-Bereich organisiert – eine Lücke, die der Tarot e.V. später füllen sollte.
Hajo Banzhaf – der Mann, der Tarot in Deutschland geprägt hat
Kaum jemand hat die deutschsprachige Tarot-Szene so nachhaltig geprägt wie Hajo Banzhaf (1949–2009). Nach einem Sprachstudium in Frankreich und einem Philosophiestudium in Münster arbeitete er zwölf Jahre lang in einer Münchner Privatbank, bevor er 1985 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte – als Buchautor, Astrologe und Seminarleiter.
Banzhaf war Autor und Co-Autor von rund 20 Büchern zu Astrologie und Tarot. Sein 1988 erschienenes "Arbeitsbuch zum Tarot" wurde in 20 Sprachen übersetzt und zählt bis heute zu den meistgelesenen Einführungswerken im deutschsprachigen Raum. Zwischen 1992 und 2000 verantwortete er zudem als Herausgeber die Buchreihe "Kailash" im Hugendubel-Verlag und trug so maßgeblich dazu bei, esoterisches und psychologisches Fachwissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
An seiner Seite stand über viele Jahre Brigitte Theler (1959–2007), selbst Astrologin und Ko-Autorin mehrerer gemeinsamer Bücher. Die beiden heirateten im Februar 2007; Theler starb nur wenige Monate später nach langer Krankheit. Banzhaf selbst starb im Februar 2009 an den Folgen einer Gehirn-Operation.
Sein Vermächtnis wirkt bis heute nach – nicht zuletzt durch die Institution, die er mitbegründet hat.
Die Gründung des Tarot e.V.
Im Jahr 2003 gründeten Hajo Banzhaf und Brigitte Theler den Tarot e.V. – bis heute der einzige eingetragene Tarot-Verband Deutschlands. Ziel war es, eine verlässliche Plattform für alle zu schaffen, die sich seriös mit Tarot beschäftigen: als Ausbildungsstätte, als Ort für fachlichen Austausch und als Instanz, die für Qualität und ethische Standards in einem Feld steht, das bis dahin kaum strukturiert war.
Der Verband heute
Der Tarot e.V. versteht sich als fachliche Anlaufstelle für alle, die Tarot ernsthaft praktizieren, lehren oder lernen möchten. Mit aktuell rund 191 Mitgliedern ist er der größte Zusammenschluss seiner Art im deutschsprachigen Raum.
Dazu gehören:
- Ausbildung und Zertifizierung – strukturierte Wege für Einsteiger:innen bis hin zu professionell Beratenden. Ausgebildet wird nicht durch den Verband selbst, sondern durch Mitglieder, die nach den vom Tarot e.V. erstellten Ausbildungsrichtlinien unterrichten; wer sein Wissen offiziell prüfen lassen möchte, kann beim Verband die Zertifizierung zur/zum „geprüften Berater:in“ ablegen. Details dazu unter tarotverband.de/ausbildung
- Ethische Standards – ein Verständnis von Tarot als verantwortungsvolle Beratungspraxis, nicht als beliebiges Wahrsage-Angebot. Seit Gründung verpflichtet sich jedes Mitglied bei Eintritt mit Unterschrift auf unseren Ehrenkodex
- Mitgliedschaft und Vernetzung – eine Gemeinschaft aus Praktizierenden, die sich gegenseitig unterstützt und weiterbildet. Vor Ort sorgen regionale Ansprechpersonen (RAPs) für die Vernetzung – sie beantworten Fragen, organisieren Stammtische und Tarot-Events in ihrer Region und sind über tarotverband.de/ansprechpersonen zu finden
- Verbandszeitschrift und Öffentlichkeitsarbeit – Wissensvermittlung über die eigene Mitgliedschaft hinaus, unter anderem mit der Mitgliederzeitschrift „Tarot Heute“, die seit Gründung des Verbands viermal im Jahr mit tiefgehenden Fachartikeln erscheint
Diese Struktur unterscheidet den Verband deutlich von kommerziellen Tarot-Angeboten: Es geht nicht um schnelle Kartenlegungen, sondern um fundierte Ausbildung und langfristige fachliche Qualität.
Tarot in Deutschland: aktuelle Entwicklungen
Das Bild von Tarot hat sich in den letzten Jahren spürbar gewandelt: weg vom reinen Orakel, hin zu einem anerkannten Reflexions- und Beratungsinstrument, das zunehmend auch in Coaching- und Beratungskontexten eingesetzt wird. Genau hier setzt der Tarot e.V. an, indem er Standards definiert, wo der Markt bislang unübersichtlich war.
Fazit
Tarot in Deutschland hat eine über Jahrzehnte gewachsene Geschichte – geprägt von Pionieren wie Hajo Banzhaf und institutionalisiert durch den Tarot e.V. Wer sich für eine fundierte Tarot-Ausbildung interessiert oder mehr über die Arbeit des Verbands erfahren möchte, findet auf tarotverband.de/ausbildung den passenden Einstieg.
Der Verband steht seit über 20 Jahren für diesen Anspruch – und daran wird sich nichts ändern.
Mehr zu Hajo Banzhaf und seinem Vermächtnis finden Sie auf unserer Nachrufe-Seite.