Neujahr ist der erste Tag des Kalenderjahres. Die Germanen feierten zur Wintersonnenwende das Julfest, den Tod des alten und die Geburt des neuen Jahres. Ein germanisches Jahr beinhaltete zwölf Mondmonate, die jeweils von Neumond zu Neumond gehen. Dadurch ergibt sich eine Differenz von elf Tagen und zwölf Nächten. Damit das neue Jahr immer zum gleichen Zeitpunkt anfing, wurden die sogenannten Raunächte eingeführt: Die Zeit zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar. Die Zeit „zwischen den Jahren", an der nach germanischer Auffassung die Sonne still stand. Diese „zeitlose Zeit" wird traditionell genutzt, um zu orakeln, die Räume zu räuchern und allerlei Rituale zu befolgen oder Verbote einzuhalten, die von vielen als Aberglauben abgetan werden, wie zum Beispiel grundsätzlich in diesen Tagen keine Wäsche zu waschen.

Auch wir können die Weichen für das neue Jahr günstig stellen, indem wir mit Hilfe von Ritualen Altes abschließen und uns dem Neuen hinwenden. Rituale können Sicherheit geben, sie haben hohe Symbolkraft und unterstützen uns in Übergangsphasen. Da viele an das Motto glauben „wie das neue Jahr beginnt, so wird das ganze Jahr" verschenken wir Glückssymbole und verzehren besondere Speisen. Beim Bleigießen versuchen wir die Zukunft für das neue Jahr zu deuten. Die Tradition des Feuerwerks hat ihren Ursprung bei den Germanen. Sie veranstalteten ein Feuerwerk, um böse Geister vom neuen Jahr fernzuhalten. Ein weit verbreiteter Brauch ist der Neujahrsgruß, bei dem man sich „ein gutes neues Jahr" wünscht. Angestoßen wird mit „Prosit Neujahr", wobei das lateinische „Prosit" übersetzt „es möge gelingen" bedeutet.

Der Beginn eines Neuen Jahres eignet sich besonders dazu, Pläne zu machen und Vorsätze zu entwickeln. Wir könnten unsere Visionen in Schriftform in eine Schachtel legen und diese Schachtel genau ein Jahr später öffnen um festzustellen, ob das Universum uns belauscht hat.

Der Narr lebt im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft gibt es noch nicht. Er fordert uns auf, weiterzugehen und den Herausforderungen des neuen Jahres zu begegnen. Könnten wir innerlich frei sein wie der Narr, so würden wir zu erstaunlichen Problemlösungen kommen. Meist jedoch identifizieren wir uns mit Haltungen und Eigenschaften, die dem im Weg stehen. Wir sind die Person, die nie den Hauptgewinn zieht, die Frau, die immer verlassen wird, der Mitarbeiter, dem man als ersten kündigt.
Der Narr ruft uns zu: „Das bist du nicht. Du bist frei."

Die Närrin von Tatajana Potemkin trägt ein enges Kleid und elegante Handschuhe. Sie hält die rote Blume der Lebensfreude in ihrer Rechten. Unter der Narrenkappe quellen wilde Locken hervor und der kluge Rabe auf ihrem Kopf warnt sie vor dem Abgrund, in den sie fallen könnte. Die Katze dahinter würde sie wohl nur staunend dabei beobachten.

Tarot München
Ursula Dimper