Was bedeutet dir Tarot?

 

 

Wir haben gemeinsam in den letzten 30 Jahren eine richtig gute Beziehung aufgebaut. Anfänglich zweifelte ich sehr an dieser Form der Arbeit mit mir selber und mit anderen Menschen. Mehr und mehr konnte ich den Argwohn mit Staunen, Freude und vor allem mit den unbegrenzten Möglichkeiten der situativen Reflexion besänftigen. An diese Stelle trat eine nun treue Beziehung, die mir auch dann Bilder in meinem Hinterkopf anbietet, wenn ich gar nicht an die Karten denke, sie nicht bei mir habe. Diese variable und deshalb aktuell stimmige Visualisierung eines persönlichen Prozesses ist für mich nun Teil meiner Arbeit.

 

 

Dein Lieblings-Tarot-Deck?

 

 

Mein allerliebstes Deck ist das von Kitty Kahane, der Berliner Künstlerin. Mit ihr habe ich dieses Produkt in einem Fluss erarbeitet, der gleichsam lustvoll und intensiv war. Das Deck ist reinste kreativste Ressource, ohne die Inhalte zu beschönigen oder zu schmälern. Sie kannte Tarot nicht! Welch wunderbare Chance, einer Künstlerin den Auftrag zu geben, Tarotbilder zu malen, ganz ohne Vorurteile, super! Sie las mein Buch „Im Dialog mit den Bildern des Tarot“, und sie orientierte sich an Waite/Colmans Bildern. Sie schuf Tarot neu mit Humor und völlig entstaubt! Darauf schrieb ich wiederum die Texte zu ihren Bildern – welche Lust mir das bereitete! Leider ist das Deck beim Verlagswechsel von Urania zu Königsfurt-Urania unter den Tisch gefallen. Einige wenige haben es dort hervorgeholt und sind glücklich damit wie ich.

 

 

Eine Geschichte um deine Lieblingskarte / Schreckenskarte?

 

 

Habe ich nicht, dafür aber ganz viele Geschichten mit Karten. Zum Beispiel habe ich über Wochen meinen Mond nicht mehr gefunden im Deck. Ich weiss nicht, wie oft ich die Karten durchblätterte und suchte. Alle meine Kursteilnehmenden habe ich gefragt, ob zufälligerweise mein Mond in ihren Karten sei. Nein, nichts! Irgendwann gab ich es auf, dachte, ich kaufe mir einfach ein neues Deck. Und, unglaublich, er war einfach wieder da, in meinem Deck! Bis heute kann ich mir das nicht erklären! Und das ist ziemlich schwierig für eine Sonne! Oder am Anfang meiner Tarotkarriere mischte ich und zog den Hängenden; er passte mir nicht! Ich mischte neu und zog den Hängenden!! Irritiert mischte ich neu, legte die gezogene Karte zuhinterst, wollte sie erst morgen anschauen, was ich natürlich nicht schaffte. Ich holte das Deck hervor und blickte auf den Hängenden!!!

 

 

  

Mit welchen dem Tarot verwandten Künsten beschäftigst du dich?

 

 

Mein Grossvater hat am Theater gearbeitet, gemalt und Bücher geschrieben. Meine Grossmutter war Fotografin, beide waren sie Deutsche. Mein Vater hat sich mit 21 Jahren in der Schweiz eingebürgert, war Arzt, hat aber wunderbare Aquarelle von Pilzen gemalt, die seine grosse Leidenschaft waren im Kochtopf und unter dem Mikroskop, und meine Mutter hat philosophische Zirkel geleitet an Tee-Nachmittagen. Meine Augen waren somit offen für das Leben und die Künste, meine Ohren gewohnt, Zwischentöne gut wahrzunehmen, und meinem Weg, die Welt zu entdecken, stand geschichtlich betrachtet nichts im Wege. Der Alltag forderte mich genug auf dem Weg, bis ich mit vierzig Jahren – etwas spätreif – Psychologie studierte. Tarot ist für mich ein systemisches Instrument. Ich betrachte es als Teil der Psychologie.

 

 

Weshalb bist du Mitglied im Tarot e.V.?

 

 

Weil ich Kirsten und ROE vor längerer Zeit kennengelernt habe, sie ihre Hochzeitsreise mit meiner Kunstreise in die Bildergärten der Toscana gefeiert haben und weil ich mit ihnen befreundet bin. Ich funktioniere stark über Beziehungen! Heute bin ich gerne dabei, bin aber etwas weg vom Schuss in der Schweiz. Aber endlich als Einzelkämpferin irgendwo eine Heimat zu haben, tut gut. Schliesslich stamme ich ja väterlicherseits von deutschen Wurzeln ab!

 

 

Was ist dir wichtig im Verband?

 

 

Die Haltung gegenüber Menschen und dem Instrument Tarot. Und das stimmt für mich sehr gut. Wie sich der Verband aktuell verändert, begeistert mich. Mit Mut Altes loszulassen, die Zeichen der Zeit bewusst einzubeziehen und mit kreativster Wertschätzung den Verband zu begleiten, zu leiten, öffnen und führen, das ist einfach nur zu bewundern. Danke euch allen dafür!

 

 

Lilo Schwarz, dipl. Arbeitspsychologin/Coach

Autorin von „Im Dialog mit den Bildern des Tarot“, „Selbstcoaching mit Tarot“

 

www.liloschwarz-seminare.ch/

 

www.liloschwarz-coaching.ch

kostenlos die App herunterladen, die auf Android und iPhone funktioniert,

zu finden unter „Bildhaft mit Tarot“. 

Bilder: Lilo Schwarz

 

Text: Monika Schanz